"Deutschland fliegt nicht"

Von Angelika Heyer, Lokalredaktuerin Main-Spitze

Drei Mal leuchtete in der Nacht auf Freitag und am Freitagvormittag am New Yorker Times Square auf der großen Anzeigetafel von Reuters die Nachricht auf: "Germany Grounded" - die freie Übersetzung von "Deutschland fliegt nicht". Es war der Auftakt zu einer groß angelegten Kampagne, mit der die gegen Fluglärm engagierten Vereine Gegenwind 2011 Rhein-Main, Stop-Fluglaerm.de und die Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr ein Umdenken herbeiführen wollen.

So viele Menschen wie möglich sollen sich bereiterklären, zumindest eine Woche (vom 10. bis 16. Februar 2020) privat und geschäftlich auf Kurzstrecken- und Inlandsflüge zu verzichten. Rolf Fritsch, einer der Initiatoren von Gegenwind 2011, der in der Hochheimer Südstadt wohnt, ist Haupt-Organisator der Kampagne. Warum der Auftakt in New York? "Um Aufmerksamkeit zu erreichen, muss man ungewöhnliche Wege gehen", sagt Fritsch. Die Resonanz gebe ihm recht. Schon kurz nachdem am Times Square zu lesen war, dass am 11. November der Aufruf gegen Kurzstreckenflüge starten soll, habe es auf der Homepage von "Deutschland fliegt nicht" mehr als 400 Klicks aus den USA und anderen Ländern gegeben - und das, obwohl sie eigentlich noch gar nicht geschaltet sei. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass die Nachricht über "news aktuell" verbreitet wurde.

Tatsächlich ist der offizielle Start im Rahmen der 300. Montagsdemo am 11. November in Terminal 1 des Frankfurter Flughafens geplant. An "Deutschlands größtem Drehkreuz mit 35 Prozent Inlandsflügen", so die Initiativen, soll ab 18.40 Uhr mit der Kampagne "Deutschland fliegt nicht" begonnen werden. Den Organisatoren geht es nicht nur um Frankfurt. Bundesweit sollen möglichst viele Menschen mitmachen. Die erste Aktionswoche im Februar soll quasi nur der Aufhänger sein. Ziel sei, zum Nachdenken anzuregen und zu helfen, Gewohnheiten zu ändern.

Ab dem 11. November soll es online die Möglichkeit geben, sich an der Aktion "Deutschland fliegt nicht" zu beteiligen. Hier kann sich jeder melden, der vom 10. bis 16. Februar 2020 auf Inlands- und Kurzstreckenflüge verzichten will.

Weitere Informationen auf www.deutschland-fliegt-nicht.de. (ah)
 

Der Aufruf, für sieben Tage auf alle Inlands- und Kurzstreckenflüge zu verzichten, geht auch an Unternehmen, Verbände, Institutionen und die Politiker aller Parteien. Prominente wie Joko Winterscheidt oder Britta Steffen hätten sich bereits in der Presse dazu bekannt, innerhalb Deutschlands nicht mehr fliegen zu wollen. Ins Boot geholt habe man auch die Bundesvereinigung gegen Fluglärm, berichtet Fritsch. Außerdem habe man Kontakt mit der Deutschen Bahn aufgenommen - Fritsch rechnet in Kürze mit einer Antwort, ob und wie die Bahn sich beteiligen will. Vorstellen könnten sich die Initiatoren zum Beispiel Sondertickets oder einen Bonus für Teilnehmer an der Aktion "Deutschland fliegt nicht".

Fritsch rechnet damit, dass die Kampagne eine weitaus größere Zielgruppe ansprechen wird als die früheren Proteste gegen Fluglärm. Denn jetzt seien nicht nur Leute betroffen, die unter den An- und Abflugrouten leben, sondern alle, die sich Gedanken um Klimaschutz und Ultrafeinstaubbelastung machen. Die Idee sei im Austausch mit seinem Freund Dr. Hans-Peter Huppert entstanden, dem Philosophen und Autor des Buches "Die Sünden der Nachhaltigkeit". Der habe von dem von Konfuzius inspirierten Prinzip des "Gemeinsam-Nix-Tuns" erzählt. Für die Nicht-Flieger wird es deshalb als Symbol auch ein "Gemeinsam-Nix-Tun-Sofa" geben, das bei der 300. Demo am Frankfurter Flughafen enthüllt wird und später auch in Berlin am Brandenburger Tor und vor dem Kanzleramt für den Verzicht auf Kurzstreckenflüge werben soll.

Quelle: https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/main-taunus/hochheim/deutschland-fliegt-nicht-kampagnenauftakt-in-new-york_20616250

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