Dem Vorstand der Fraport wird nur dann die Entlastung nicht erteilt, wenn Hessen und Frankfurt die Entlastung verweigern. Diese Mehrheitseigner unterstützen also das fragwürdige Vorgehen der Fraport. Nicht nur Fraport sollte man angreifen, sondern auch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt.
Ich zitiere aus dem bekannten Urtel des Bundesverfassungsgerichts vom 22.2.2011 den 1. Leitsatz "Von der öffentlichen Hand beherrschte gemischtwirtschaftliche Unternehmen in Privatrechtsform unterliegen ebenso wie im Alleineigentum des Staates stehende öffentliche Unternehmen, die in den Formen des Privatrechts organisiert sind, einer unmittelbaren Grundrechtsbindung." - Beklagte war hier übrigens die Fraport, es ging um das Versammlungsrecht in Flughäfen. Das Urteil gilt formal zunächst einmal nur in Deutschland - aber man daraus durchaus eine Verpflichtung zum Schutz der Menschenrechte weltweit herleiten.
Ein paar Informationen zu Fraports Aktivitäten in Brasilien und daraus abgeleitet der Vorschlag, den Aktionstag gegen Freihandel am 12. Oktober zu unterstützen.
Fraport und Menschenrechte - das passt nicht zusammen.
Dass die Fraport AG auf die Menschen, die in der Umgebung ihrer Flughäfen wohnen, wenig Rücksicht nimmt, wissen alle BetrofÂfenen aus eigener Erfahrung. Dass sie, wenn die RahmenÂbedingungen es zulassen, auch MenschenÂrechte mit Füssen tritt, dürfte weniger bekannt sein.
Zwar war schon, als Fraport zu Beginn letzten Jahres den Betrieb zweier brasiliaÂnischer Flughäfen überÂnommen hat, klar, dass die geplanten ErweiteÂrungen zu Konflikten führen würden, aber es hat eine Weile gedauert, bis sich die Lage zugespitzt hat. Jetzt ist es soweit.
In der Fraport-HauptÂversammÂlung am 28. Mai hat ein Vertreter der "KritiÂschen AktioÂnäre", die die MachenÂschaften von Fraport schon länger begleiten, die versamÂmelten Aktionäre aufgeÂfordert, den Vorstand wegen des Vorgehens der hundertï½prozenÂtigen Fraport-Tochter Fraport Brasil in Porto Alegre nicht zu entlasten. Die Vorwürfe, die auch vom BUND erhoben werden, beinÂhalten die MissÂachtung der Wohn- und EigentumsÂrechte der Menschen in den Siedlungen, die der VerlängÂerung der Rollbahn im Weg sind, sowie die OrganiÂsation von ZwangsÂräumungen.
Die Behauptung von Fraport-Chef Schulte, man habe mit diesen Beschlüssen nichts zu tun, wird von der brasiliaÂnischen SchwesterÂorganiÂsation des BUND strikt zurückÂgewiesen. Auch die brasilÂianische StaatsÂanwaltÂschaft isdieser Meinung. Kurz nach der HauptÂversammÂlung hat sie Fraport Brasil ein Schreiben mit dem Hinweis überÂgeben, dass Fraport die alleinige, auch finanÂzielle, VerantÂwortung für die UmsiedÂlungen trägt und dass die Menschen dort keinesÂfalls gegen ihren Willen zwangsÂumgeÂsiedelt werden dürfen. Fraport will gegen diese VerpflichÂtung vor Gericht ziehen. Zwar dürfte sie nach einem RechtsÂcheck der 'KoopeÂration Brasilien' dafür eigentÂlich keine allzu guten Karten haben, aber Recht haben und Recht bekommen sind auch in Brasilien mitunter zwei ganz verschieÂdene Dinge.
Wohl auch deshalb hat Fraport vor Ort bereits eine Firma engagiert, die die UmsiedÂlungen organiÂsieren soll und die für ihre ruppigen Methoden bekannt ist. Nach dem derzeiÂtigen AusbauÂplan muss das Gelände bis Oktober dieses Jahres geräumt sein, wenn es nicht zu VerzögeÂrungen kommen soll.
Diese Vorgänge müssen vor dem HinterÂgrund der Geschichte und der aktuellen politischen Entwicklung in Brasilien gesehen werden. Nach JahrhunÂderten KolonialÂgeschichte, JahrÂzehnten von Militär- und anderen Diktaturen haben heftige soziale Kämpfe und ein kurzes InterÂmezzo einer eher sozialÂdemokraÂtisch orienÂtierten Regierung zwar einige FortÂschritte erzielt, dennoch ist Brasilien weit von einem RechtsÂstaat entfernt, und grosse Teile der Bevölkerung leben in Armut. InsbeÂsondere der Landbesitz ist extrem ungleich verteilt, und viele Menschen leben auf Land, für das sie keinen BesitzÂtitel haben.
Auch die Siedlungen, die für den FlughafenÂausbau geräumt werden sollen, existieren zwar schon seit über 60 Jahren, sind aber im formalen Sinn weitÂgehend 'illegal'. Genau darauf setzt Fraport-Chef Schulte wohl, wenn er sagt, dass alles 'nach Recht und Gesetz' abgeÂwickelt würde.
Faktisch aber bedeutet es, dass Familien aus ihren angeÂstammten, wenn auch elenden Wohnungenertrieben und von ihren den LebensÂunterÂhalt sichernden, wenn auch prekären und ungesunden ArbeitsÂmöglichÂkeiten getrennt und an die PeriÂpherie abgeschoben werden sollen, wo sie im günstigsten Fall eine stabilere Wohnung, aber auch ArbeitsÂlosigkeit und KrimiÂnalität erwarten. Die MenschenÂrechte auf soziale SicherÂheit und Arbeit werden dabei komplett missachtet.
Staatlichen Widerstand muss Fraport nicht ernsthaft fürchten. Seit JahresÂbeginn ist ein rechtsÂextremer Präsident im Amt, der eine extrem konzernÂfreundÂliche Politik betreibt und alle sozialen ErrungenÂschaften der letzten Jahre zurückÂdrehen möchte. Und die EU, die in SonntagsÂreden ihren Einsatz für die MenschenÂrechte feiert, hat trotz deutlicher Warnungen von WissenÂschaftlerÂ*innen, zivilÂgesellÂschaftÂlichen OrganisaÂtionen und Politikern ein FreiÂhandelsÂabkommen mit den Mercosur-Staaten, zu denen auch Brasilien zählt, ausverÂhandelt. Die Inhalte sind noch nicht vollÂständig bekannt, aber nach ersten Analysen von EuropaÂabgeordÂneten der Grünen und der Linken waren die WarnÂngen mehr als berechtigt.
Und während der deutsche EntwicklungsÂminister sich schon darüber freut, dass die neue brasilÂianische Regierung ihm überhaupt zuhört, bemüht sich Deutschland in der EU, strengere Regeln für KonzernÂverantÂorung zu verhindern.
Wie schon in Griechenland, kann sich Fraport auch hier auf die UnterÂstützung der deutschen und europäischen Politik verlassen. Der Antrag der 'Kritischen Aktionäre' wurde in der Fraport-HauptÂversammÂlung ebenfalls abgelehnt, so dass der Fraport-Vorstand für seinen menschenÂrechts-verachÂtenden Kurs auch die RückenÂdeckung der Mehrheit der Aktionäre hat. Bliebe noch der AufsichtsÂrat, in dem VertreterÂ*innen von GewerkÂschaften und Parteien, die offiziell ebenÂfalls die MenschenÂrechte hochÂhalten, eine Mehrheit haben. Bisher herrscht aber auch dort Schweigen.
Bleibt auch hier wieder nur die Aktivität der ZivilÂgesellschaft, die VeränÂderungen bringen könnte. Die nächste GelegenÂheit dazu besteht mit dem Aktionstag am 12. Oktober, der sich gegen die SonderÂschiedsÂgerichtsÂbarkeit für Konzerne, die RegulaÂtorische KoopeÂration in den FreiÂhandelsÂabkommen und gegen die endgültige VerabÂschiedung des FreiÂhandelsÂabkommens EU-Kanada, CETA, wendet.
Warum diese FreiÂhandels-MechaÂnismen auch für den Kampf gegen die Belastungen durch den Luftverkehr höchst relevant sind, haben wir in der VergangenÂheit schon ausÂführlich begründet, u.a. in Bezug auf die Förderung des Wachstums des LuftÂverker oder für die Erhaltung und Ausweitung des NachtÂflugÂverbots. Es gibt also viele Gründe für die BIs, diesen AktionsÂtag zu unterÂstützen.
Quelle: www.bi-fluglaerm-raunheim.de, Aktuelles
