Tanz auf dem Vulkan

Es ist erschreckend und bezeichnend zugleich, wie in Medien in einem Atemzug Bestürzung über Klimaveränderung und Begeisterung über Zuwachsraten im Luftverkehr geäußert wird. 2018 stiegen die Flugbewegungen in Frankfurt um etwa 40.000 auf über 512.000. Erwartungen oder Hoffnungen, Starts und Landungen könnten bei 460.000 Bewegungen stagnieren, sind Geschichte. Fraport musste aus der Logik eines konkurrenz- und profitgetriebenen Konzerns einen neuen Wachstumsweg öffnen: umfängliches „Billigfliegen“ auch in Frankfurt. Rücksichtslose Missachtung der Nachtflugbeschränkung und neue Flugrouten: „Tests“ für die zeitliche und räumliche Ausdehnung der Fliegerei, um zukünftige Mengen überhaupt abwickeln zu können.

Die häufige Ostwetterlage eine Folge der Klimaveränderung – die nächsten Jahre werden es zeigen. 2018 war, nicht nur für die im Westen des Flughafens lebenden Menschen ein Horrorjahr und die „verspäteten“ Landungen in den Nachtstunden für alle eine üble Belastung und eine ungeheure Provokation. Landesregierung und FLK stehen den nicht intendierten Folgen des gewünschten oder akzeptierten Wachstums am Flughafen ignorant oder hilflos gegenüber. Daran hat auch die Landtagswahl nichts geändert.

2018 war auch ein weiteres Jahr der enttäuschten politischen Hoffnungen und Erwartungen Vieler. Vielleicht aber auch ein Jahr realistischer Desillusionierung. Die ständigen Anrufungen an „die Politik“, „die Gesetzgebung“ oder bestimmte Parteien haben mit dem „Weiter so“- Programm der schwarz-grünen Landesregierung und dem aktuellen Kabinettsbeschluss zum Fluglärmgesetz – trotz Bittgang der Fluglärmkommissionen nach Berlin und der Gründung eines bisher zahnlosen Arbeitskreises „Fluglärm“ durch einige Bundestagsabgeordneten – ihre Wirkungslosigkeit demonstriert.

Einschneidende Veränderungen gibt es nur bei einer Veränderung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, soll heißen: erst wenn in der Bevölkerung das Bewusstsein über die Schädlichkeit von Kurz- und Vielfliegerei vorherrschend wird, wenn sie nicht mehr toleriert und ihre soziale Ächtung dominant wird – erst dann wird der Fliegerei durch Politik und Gesetzgebung Schranken gesetzt werden.
Die Bedingungen dafür sind günstiger als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die drohende Klimakatastrophe und die vermehrten Debatten dazu, die Auseinandersetzungen um Diesel und Kohle als ihr signifikantester Ausdruck, rücken auch die Bedeutung des Luftverkehrs für das Klima mehr und mehr ins Rampenlicht. Auch wenn sich von Bundes- und Landesregierung bis FLK noch geweigert oder geziert wird, gesundheitliche und klimatische Folgen des Luftverkehrs als integrale Bestandteile der gleichen Problematik anzuerkennen und zu bearbeiten – lange wird das nicht mehr durchzuhalten sein.

Unsere Bewegung und ihre Handlungen, vor allem die beständigen Montagsdemonstrationen, die Basisaktivitäten vor Ort und die „Lobbyarbeit“ auf Orts- Kreis- Landes- und Bundesebene sind nicht nur wichtige und unverzichtbare Bausteine in unserem langwierigen Kampf – sie strahlen auch weit über unsere räumlichen und organisatorischen Grenzen hinaus aus. Sie dienen unseren Bedürfnissen nach verträglichen Lebensbedingungen in der Region und sind ebenso Bestandteil des unabdingbaren, weltweiten Kampfs gegen die Klimakatastrophe.

Zu unseren Aktivitäten im Einzelnen, in chronologischer Reihenfolge (und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, insbesondere was die vielfältigen Veranstaltungen der einzelnen BI`s, z.B. im Landtagswahlkampf betrifft):

Ganz wesentlich für unsere Aktivitäten 2018 waren, wie oben schon erwähnt, die massiven Verstöße gegen die Nachtflugbeschränkungen und die Landtagswahl im Oktober. Viel Engagement und Arbeit bedeutete die Vorbereitung der 250. Montagsdemonstration am 11.06.2018 und die „Sonntagsdemonstration“ am 21.10.2018 anlässlich des Jahrestags der Eröffnung der Nordbahn und der Landtagswahl in Hessen sowie die Erstellung des „Politikbriefs“ aus diesem Anlass, dessen Erstellung seit Anfang des Jahres in Angriff genommen wurde und dessen erster Entwurf der DV im Februar vorgelegt wurde. Etwa zur gleichen Zeit begannen auch die Vorbereitungen für die 250. Monagsdemonstration. Im März unterstützte das BBI ein Solidaritätskonzert für die Baumbesetzer*innen im Treburer Wald, die dort von Januar bis zur Räumung im November ausharrten. Im Frühjahr weiter die Ausarbeitung einer Stellungnahme zum Landesentwicklungsplan, bald gefolgt von jener zum Fluglärmschutzgesetz und der kritisch-solidarischen Unterützung der Aktion der ADF und BVF in Berlin aus diesem Anlass. Die Demonstrationen am 11. Juni und 21. Oktober waren gut besucht und derart „demonstrativ“, dass der SWR sich genötigt sah, die Wiedergabe der Wirbelschleppen-Folgen-Aktion zu zensieren. Die Landtagswahl brachte nicht die von Vielen erhofften Verbesserungen, dafür die von anderen geteilte Erwartung, dass sich nichts ändern werde. Nach der hessischen Landtagswahl hat sich unsere Co-Sprecherin Stefanie Then aus dem Sprecher*innengremium zurückgezogen. Im November hat die DV des BBI dann, nach Diskussion und Wahl, der Bundesvereinigung gegen Fluglärm BVF empfohlen, Ina Hauck als Nachfolgerin von Dirk Treber für die FLK Frankfurt zu benennen.

Weiterlesen